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Schönheit hat viele Facetten. Allgemein wird unter Schönheit alles verstanden, was Wohlgefallen für Auge und Ohr auslöst, siehe [Eco,2004]. Dies ist natürlich Kultur- und Epochenabhängig. Erinnert sei nur an die Mode, die jährlich neue schöne Dinge produziert. Was versteht man unter Schönheitsidealen im Zusammenhang mit Architektur-Fotografie? Nach Studium vieler Fotos von Postkarten, Reiseführern, gängigen Zeitschriften und Websiten möchte ich die folgenden Thesen aufstellen.

Das deutsche Schönheitsideal in der Architektur-Fotografie
Das gängige schöne Architektur-Foto erkennt man an einem der folgenden Kriterien:
  • blauer Himmel
  • schönste Seite dem Licht zugewendet
  • relativ hohe Sättigung der Farben
  • insgesamt recht bunt
  • will viel zeigen: Einbettung in die Stadt, möglichst weitere Sehenswürdigkeiten
  • das betreffende Haus in der Totalen
  • wichtigstes Element häufig mittig
  • stürzende Linien wurden korrigiert
  • Verwendung von Polarisationsfiltern zur Betonung von Wolken
  • Ausschnitt/Anschnitt häufig nicht inhaltlich sondern gestalterisch begründet
  • extreme Schärfe aller Details
  • genügt dem Mainstream-Geschmack
zugspitze Zugspitze Dieses Foto zeigt die Aussichtsplattform der Zugspitze. Ein schöner blauer Himmel sorgt für postive Stimmung. Die Antennen, die Kuppel der Sternwarte und eine alte Liftkabine erfreuen die technisch Interessierten. Für einen Farbkontrast sorgt das Telekom-Werbeplakat.

Die Aufnahme wurde stark bearbeitet. Insbesondere wurde eine inhaltliche Bildbearbeitung vorgenommen, gegen die sich diese Website richtet. Aber nur damit war ein Erreichen des deutschen Schönheitsideals möglich. Siehe auch pfeil zum linkBildbearbeitung.

Aufnahme 03.08.2008 um ca. 10 Uhr mit Mamiya 645 1000S, Mamiya 45mm auf Fuji Provia 100, Polarisationsfilter, mit Stativ, C41.
In den letzten 10 Jahren sind aber auch ganz andere Bilder entstanden. Man denke an Fotos vom Potsdamer Platz in Berlin, der während seines Baus immer wieder fotografiert wurde. Seine Schönheit wurde schon während des Baus gezeigt. Mit Kränen usw. Eine neue Generation von Fotografinnen und Fotografen versucht, neue Wege zu gehen. Ihre Ideen werden m.E. nicht ausreichend gewürdigt.

Das amerikanische Schönheitsideal in der Architektur-Fotografie
Die Herangehensweise ist nicht inhaltlich, sondern visuell. In [Kodak, 1986] wird dieses Schönheitsideal diskutiert: Am Anfang stehen die Überlegungen:
  • Was ist der Charakter/ das Wesen dieses Hauses?
  • Was ist optisch gut?
  • Was beeinträchtigt die Schönheit?
  • "Photographers on location spend a lot of time waiting for the sun and clouds to be perfect." aus [Smith, 2001], S. 131.
Großer Wert wird hier auf Emotionalität gelegt. Die Bilder wollen schön sein, berührend, ungefähr wie ein Hollywood-Film. Populär.
Kirche mit Palme Kirche mit Palme Hier wurde südliche Lebensart mit Religion kombiniert. Dieses Bild wurde nur durch Montage und Bildbearbeitung erzielt. Vergleiche pfeil zum linkBildbearbeitung.

Aufnahme der Kirche am 06.09.2009 um ca. 10 Uhr mit Mamiya 645 AF, Mamiya 80mm AF, auf Fuji Provia 400, Polarisationsfilter, C41.


Zum Vorteil des amerikanischen Publikums sei erwähnt, dass das Publikum sehr sachkundig ist. Er schätzt den Wert von Fotos und Filmen sehr hoch ein. Es kennt und verehrt seine FotografInnen.

Schönheitsaspekte Wir stellen alle diese Kriterien in Frage. D.h. nicht, dass wir gar nichts Altes schön finden und keine Fotografin oder Fotografen verehren! Wir greifen die Zusammenhänge von Schönheit und anderen Prinzipien der Kunst, Wahrnehmung und Psychologie auf und versuchen, nur diese eine Seite ins Bild umzusetzen. Einige Zusammenhänge stammen aus [Eco, 2004]. Diese Aspekte sind hier nicht abschließend behandelt. Weitere Ausführungen sind in Arbeit, werden hier nach und nach veröffentlicht: pfeil zum linkTheorie.

M. Ehret: Neptunbrunnen in Bologna M. Ehret: Neptunbrunnen in Bologna  
Schönheit durch Sex Sexualität ist eine lebenswichtige Eigenschaft der Menschen. Ohne sie würden wir schon in wenigen Jahren von der Erde verschwunden sein. Zudem ist sie mit positivem Lustgefühl verknüpft. Die Sexualität der Menschen prägt ihren Umgang, ihre Familiengründung, ihre Fortpflanzung u.v.a.m. Sie ist elementarer Bestandteil des täglichen Lebens. Die Natur hat uns dazu geschaffen, dauernd sexuelle Signale zu senden und zu empfangen. Und sei es nur: Schau her, ich bin da, ich bin gesund, ich bin reinlich, ich bin kräftig, ich kann mit dir gesunde Nachkommen zeugen! Siehe auch [Neiva, 2007]. Diese sexuelle Seite des täglichen Lebens abseits von Pornografie oder Sexismus in der Werbung wurde bisher wenig beachtet oder im Zusammenhang mit Architektur fotografiert.

Öffentlich zugängliche Skulpturen am Piazza del Nettuno/Neptunbrunnen in Bologna.

Skulpturen. Aufnahme am 2.8.2010 um 16 Uhr mit Nikon F6, Nikkor 105mm, f/2.8, 1/250s, Polarisationsfilter, Kodachrome 100. Aufhellung des rechten Vorschaubildes.
M. Ehret: Familiengrab  
Schönheit durch Tod Auch der Tod mit seinen Ritualen kann Strenge, Respekt, Trauer oder Hoffnung ausdrücken. Hier ein Familiengrab in Lippe mit Gräbern, von denen einige 100 Jahre alt sind. Es ist öffentlich zugänglich und durch einen Gartenzaun begrenzt.

Bildsprachlich wird die starke Unschärfe kombiniert mit der gebrochenen Farbigkeit des Ortes. Es war in diesem Jahr nicht schwer, an einen Tag mit gedecktem Himmel zu fotografieren.

Aufnahme am 28.3.2010 um 13 Uhr mit Mamiya 645 AF, Mamiya 80mm AF, f/5.6, 1/125s, Superia 400. Entfernen von weißen Flecken und Kratzern mit einem Stempel von 10px auf dem Originalscan von 2000dpi, schärfen des Vorschaubildes links durch 'unscharf maskieren mit 1px'.
M. Ehret: Haus mit Kartons  
Schönheit durch warme Farbigkeit Sonnenuntergänge und warme Farbigkeit rufen bei uns starke Emotionen hervor. Hier wurden Pappkartons in (m)einem vernachlässigtem Haus bei Sonnenuntergang fotografiert. Warme Farbigkeit und Licht wirken positiv auf den Menschen. Aber Achtung, wer nur Farben und Formen fotografiert, muß früher oder später mit der Kritik des fehlenden Inhalts rechnen und muß sich von Kitsch und Klischees abgrenzen. Zur Verteidigung dieses Motivs sei gesagt, dass es aufgrund der unklaren Spiegelung oder des Durchblicks eine gewisse Komplexität aufweist.

Aufnahme am 04.07.2010 um 19 Uhr mit Nikon D700, Nikkor 105mm, f/2.8, 1/13s, ISO 400, Auflage der Kamera. Geringes Aufhellen des Bildes, geringes Erhöhen von Kontrast und Clarity, weiteres Aufhellen des Vorschaubildes links durch 'exposure'.
M. Ehret: St. Peter Ording
 
Schönheit durch Weite Durch Fotografie von Weite, vornehmlich durch viel Himmel, wird ein Freiheitsgefühl assoziiert. Hier kann ich schaun! Nichts steht mir im Weg! Das wirkt positiv auf den Menschen.

Aufnahme im Dezember 2007 in St. Peter Ording mit Mamiya 645 1000S auf Kodak Portra 160 NC. Fussel entfernt.
M.Ehret: Klosterkirche St. Peter
 
Schönheit durch Glauben In sehr, sehr großen Kirchen hat man das Gefühl von Erhabenheit und Größe. Schwierigkeiten beim Fotografieren ergeben sich aus
  • schwierigen Lichtverhältnissen im Innern
  • der Größe des Baues und
  • dem gebotenen Respekt religiös Handlenden gegenüber
Aufnahme im Dezember 2008 in St. Peter(Schwarzwald) mit Mamiya 645 AF auf Ilford Delta ISO 3200.
M. Ehret: Rothenburg ob der Tauber
 
Schönheit durch Proportionen und Formen Proportionen und geometrische Formen begründen die Schönheit eines Gebäudes. Sie sind im Allgemeinen funktionell begründet, können aber auch innovativ oder spektakulär sein und die Funktion nachgeordnet haben. Von der Wahrnehmungstheorie wissen wir, dass der Mensch von jeher in den Bildern, die er sieht, Muster sucht. Findet er solche, wirkt das positiv. Deshalb ist es verständlich, dass Anordnungen von funktionalen oder dekorativen Elementen gerne fotografiert werden. Dem ist entgegen zu halten, dass Detailaufnahmen einfacher Anordnungen zwar grafische Muster erzeugen, aber nicht viel Inhalt.

Rothenburg o.d.T., Jugendherberge. Fotografiert vom erhöhten Gang der historischen Stadtbefestigung. Die 9 Gauben sind regelmäßig angeordnet und bilden ein Muster. Durch das Dach der Stadtbefestigung und weitere Elemente wurde eine weitere Struktur, eine Art Rahmen geschaffen. Wegen der starken Weitwinkligkeit des Objektivs sind die rechte und linke Kante des Hauses nicht senkrecht. Außerdem wirkt das Haus leicht nach vorn gewölbt. Das wurde hier in Kauf genommen und nicht korrigiert.

Rothenburg ob der Tauber, Jugendherberge. Aufnahme am am 01.08.2008 15 Uhr mit Mamiya 645 1000S, 45mm, f/11 auf Neopan 100, Polarisationsfilter.

M. Ehret: Worms: Nibelungentor
 
Schönheit durch Romantik Die deutsche Romantik aber auch die holländische Landschaftsmalerei sind ein wichtiges Kapitel der europäischen Kunstgeschichte. Mit ihrer Weite, diffusem Licht, Sonnenauf- oder untergängen, Nachtbildern und gebrochenen Farbigkeit wecken sie Sehnsucht, Wehmut, Traurigkeit, aber auch Ernsthaftigkeit. Greift man einige Elemente daraus auf, so erzeugt man auch mit heutigen Objekten romantische Bilder.

Worms: Nibelungentor. Stadttor über den Rhein, erbaut 1897-1900 hat einen hohen Wiedererkennungswert. Es ist 53m hoch und wurde und wird auch als Haus genutzt. Die dazugehörende Nibelungenbrücke über den Rhein wird durch eine weitere Brücke ergänzt. Der Baum im Vordergrund und die Farbigkeit erinnern an die deutsche Romantik.

Worms: Nibelungentor. Aufnahme am 23.12.2008 11 Uhr von leicht erhöhtem Standpunkt. Zur Zeit mitten in Baumaßnahmen der Straßenführung. Aufnahme mit Mamiya AF 645 auf Kodak Portra 800 mit Polarisationsfilter. Staub und Fusseln entfernt.
M. Ehret: Hauptbahnhof Leipzig
 
Schönheit durch Vogelperspektive Beim Blick von oben haben wir es mit einer ungewohnten Persepktive zu tun. Wir sehen viel mehr als ebenerdig, weil der Blick weiter ist und weil die Dinge von oben anders aussehen. Wir können auf Objekte drauf- oder hineinsehen. Wir können Muster erkennen, die sich ebenerdig nicht zeigen: Straßen, Felder, Karrees usw. Das wirkt positiv auf uns. Es ist sinnvoll, viele Details zu zeigen. Das erhöht nochmals die Verweildauer.

Die Aufnahme ist eine Hommage an das Cover-Foto von Renate und Roger Rössing [Rössing 1987]. Die großzügige Gestaltung des Bahnhofsvorplatzes mit seinen Straßen, Straßenbahngleisen, Bus- und Taxisständen zeigt Leipzig als Verkehrsknotenpunkt mit Europas größtem Kopfbahnhof.

Hauptbahnhof Leipzig, Aufnahme vom 26.9.2008 17Uhr, Mamiya 645 AF, Film Fuji Provia 100, entwickelt mit C41, Scan als Fuji Super HQ 100
M. Ehret: Schwimmbad in Schieder
 
Schönheit durch Melancholie Melancholie ist ein trauriges unbestimmtes Gefühl. Es bezeichnet die Sehnsucht nach etwas Besserem. Bildlich passen dazu Unschärfe, Filmkorn oder Rauschen, gebrochene Farbigkeit oder SW. Der Blick geht zu etwas Unklarem oder Fernen. Tränen, Wasser, Regen oder Nebel eignen sich für diese Stimmung.

Die Aufnahme entstand bei heftigem Schneeregen. Kleine weiße Punkte verschiedener Größe sind bei genauem Betrachtem zu sehen. Sie unterscheiden sich durch ihren weichen Rand (wegen der Bewegungsunschärfe und Transparenz) vom Staub. Deutlicher ist die trübe Stimmung, in der das saisonal bedingt verlassene Schwimmbad noch viel trauriger erscheint. Die Kamera ist sehr naß geworden. Die gesamte Elektronik ist ausgefallen. Das konnte nur in der autorisierten Werkstatt repariert werden. Damit war das vorläufig mein letztes analoges "Schlechtwetterfoto". D.h. ich habe sogar eine darüber hinaus reichende melancholische Beziehung zum Objekt.

Schwimmbad in Schieder im November. Aufnahme am 21.11.2008 14 Uhr mit Mamiya 645 AF, Mamiya 80mm, auf Kodak Portra 800, Staub und Kratzer entfernt.
M. Ehret: Meisterhäuser, Dessau
 
Schönheit durch Funktionalität Funktionalität zeigt sich in Dingen, die gut funktionieren. Um das auf den Punkt zu bringen, sind Sachlichkeit, Schärfe, Minimalismus, Verzicht auf dekorative Elemente, klare Farbgebung oder SW, Kontraste usw. geeignet.

Dessau: Meisterhäuser, Treppe im Haus K. Die Treppe und Fenster haben keine schmückenden Elemente. Die Treppe ist eine Treppe. Und ein Fenster ist ein Fenster. Zum Schauen. Das Fenster im Treppenhaus verläuft über zwei Etagen. Es bietet einen herrlichen Ausblick auf das Kiefernwäldchen. Auch das ist Schönheit.

Meisterhäuser, Dessau. © Stadt Dessau-Roßlau. Aufnahme mit Mamiya 645 AF am 26.9. 2008 vormittags. Auf Kodak 400 TMY-2 mit Polarisationsfilter und Stativ. Staub und Fusseln entfernt.
M. Ehret: Schloßruine Heidelberg
 
Schönheit durch Verfall Verfallene Objekte haben Risse, abplätternden Putz, sind zugewachsen... Sie geben eine starke Atmosphäre ab. Sie haben schon immer die Menschen fasziniert. Kaum hatte sich die Fotografie etabliert, wendete sie sich "pittoresken" Objekten zu. Zunächst wurden im Gegensatz zu der schönen heilen Welt als besondere Qualifikation des Fotografen oder der Fotografin auch unschöne Szenen in künstlerische Fotos umgesetzt. Heute ist das gar kein Thema mehr, sich schmutzigen, verfallenen und verlassenen Objekten zuzuwenden. Häufig werden alte Locations für Aktaufnahmen verwendet. In [Kemp, 2006] wird das ausführlich diskutiert. Es wird auch die Warnung ausgesprochen, nur eine Ästhetik zu suchen und sich nicht den Dingen selbst zu widmen. Bevorzugte Objekte sind alte Bäume und Mauern. Diese haben freie Formen und wirken besonders gefällig. Aber auch verlassene Häuser, Gebrauchsgegenstände, Industrieanlagen usw. sind interessant. Fotografie von Armenvierteln usw. mündet dann schon ins Genre der Reportage und der sozialen Fotografie.

In [Seyler, 2004, S. 193] wird ausgeführt, dass jedes Aufbrechen einer einfarbigen Fläche oder einer einfachen Gestalt Bewegung bzw. Leben bedeutet. Das scheint ein Widerspruch in sich zu sein, ein verfallenenes Gebäude verändert sich durch die Spuren der Zeit und bedeutet Leben. Eine regelmäßig gestrichene weiße Wand wird als leblos im Sinne der Gestaltpsychologie interpretiert!

Heidelberg: Schlossruine. Heidelbergs Schloß ist ein wahrer Touristenmagnet. Alle fotografieren den Ausblick. Am unteren Bildrand ist ein Finger von mir zu sehen, der das Polarisationsfilter hält. Das Polarisationsfilter wurde benutzt, weil es sehr hell war und jede Menge Streulicht abgehalten werden mußte.

Heidelberg: Schlossruine. Aufnahme vom 5.8.2008, mittags, Holga-Kamera, 60mm, Polarisationsfilter, auf Fuji Provia 100, C41.
M. Ehret: Martha in Herford
 
Schönheit durch spektakuläre Bauten Spektakuläre Bauten ziehen schon immer die Aufmerksamkeit auf sich, sei es der architektonische Entwurf, der Bisheriges in Frage stellt, sei es die Einbettung in die Landschaft oder Umgebung, sei es eine interpretierbare Form. Dies will zunächst erst einmal verstanden sein. Solche Objekte zu fotografieren gibt es viele innovative Ideen, siehe zum Beispiel [Spectacular City, 2006]. Hier wurde Innovation am Haus mit Innovation beim Foto verbunden. Die Ergebnisse sind großartig. Zur innovativen Bildidee kam eine hochwertige Ausstattung der Fotografinnen und Fotografen und höchste Qualität bei der technischen Realisation.

Das Marta in Herford ist ein Museum für zeitgenössische Kunst und Möbel-Design. Der Name steht für Möbel-Art-Ambiente. Seine Architekten sind GEHRY Partners, LLP, sein Leiter Jan Hoet. Dieser Bau in der Region Ostwestfalen war ein sehr mutiger Bau. Der Entwurf ist grandios, genau auf die Ausstellungen seines Leiters zugeschnitten. Der Bau war nicht umumstritten. Er war teuer und teuerer als geplant. Die Planung begann 1998, die Ausführung war 2001-2005. Die Grundstücksfläche ca. 7993 qm. Die Nutzfläche 6180qm, vgl. in [Gehry, 2005]. Nichtsdestotrotz wird das Museum angenommen, wie die Fotos zeigen. Es steht ganz selbstverständlich in Herford, an der Goebenstraße, einer verkehrreichen Straße. Die Bildidee stammt aus dem Holga-Handbuch [Holga, 2006].

Herford Marta. Aufnahme mit der Holga auf Kleinbildfilm Ilford HP5Plus. Nach dem Scannen wurde eine starke Kontrasterhöhung vorgenommen.
M. Ehret: Training des TBV
 
Schönheit durch Lebensfreude Lebensfreude im Zusammenhang mit Architektur ist in der Werbung für Immobilien oder für Urlaubsreisen nicht neu. Die bekannten Bilder sind eine Imitation einer glücklichen Familie oder eines Paares bei schönstem Sonnenschein. In der Tat werden Häuser für Menschen gebaut. Damit die dort arbeiten, sich erholen, gesund werden, Sport treiben, lernen usw. Um dies positiv im Bild umzusetzen braucht es meines Erachtens vorallem Authentizität. Leute, die das wirklich tun und glücklich sind, die nicht posieren und am besten auch noch sympatisch 'rüberkommen. Die Fotografin und der Fotograf braucht dafür Aufrichtigkeit und viel Zeit.

TBV-Training in der Lipperlandhalle, Lemgo. Im Vordergrund: Markus Baur, damals Trainer, und Logi Geirson. Die Freude am Sport, an der Bewegung, die Vorbereitung aufs nächste Spiel, die letzten Erfolge sind deutlich spürbar. Stellt man sich das Foto der Halle ohne die Aktiven vor, so wäre es doch recht leer und langweilig. Erst die Sportler schaffen eine Emotionalität.

TBV-Training in der Lipperlandhalle. Aufnahme am 18.9.2008 um 18 Uhr mit Nikon D300, Sigma 70-200mm, 70mm, f/4.0, 1/200s, ISO 3200. Die Lichtverhältnisse beim Training sind zum Fotografieren recht schlecht. Leichte Aufhellung des Bildes und geringe Unterdrückung des Rauschens.


Quellenangaben
[Eco, 2004] Umberto Eco (Hrsg.): Die Geschichte der Schönheit, Carl Hanser Verlag, München, Wien, 2004.
[Gehry, 2005] Frank Gehry: Marta Herford, Birkhäuser, Basel, Boston, Berlin, 2005.
[Holga, 2006] Lomographic Society International (ed.): Holga - The world through a plastic lens - lomography,Wien, 2006.
[Kemp, 2006] Wolfgang Kemp: Foto-Essays zur Geschichte und Theorie der Fotografie, Schrimer/Mosel, München, 2006.
[Kodak, 1986] Jack Tresidder (Hrsgb.): Architektur- und Städtefotos. Die Kodak Enzyklopädie der Kreativen Fotografie, Time-Life Books B.V., Amsterdam, 2. Aufl., 1986.
[Neiva, 2007] Eduardo Neiva: Communication Games. The Semiotic Foundation of Culture, Mouton de Gruyter, Berlin, New York, 2007.
[Rössing 1987] Roger Rössing: Architektur-Fotografie, VEB Fotokinoverlag Leipzig, 1987
[Seyler, 2004] Axel Seyler: Wahrnehmen und Falschnehmen. Praxis der Gestaltpsychologie. Anabas, Frankfurt am Main, 2004
[Smith, 2001] Bill Smith: Designing a Photograph, Amphoto Books, New York, 2001.
[Spectacular City, 2006] Emiliano Gandolfi (Hrsg.): Spectacular City - Photographing the Future, Rotterdam, 2006.


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