Alternative Fotografie Titel 

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Wir meinen, dass Architektur-Fotografie dokumentarisch ausgerichtet sein soll. D.h. sie soll Häuser - als Abkürzung für alles, was Objekt der Architektur-Fotografie ist - zeigen, wie sie sind. Und nicht, wie wir wünschen, wie sie sein sollten. Das bedeutet zunächst, dass man die Häuser respektiert.

Bildbearbeitung wird meistens nach subjektiven Ermessen vorgenommen. Was sind Ziele der Bildbearbeitung?

Der wichtigste Kritikpunkt dagegen ist die Verminderung der Glaubwürdigkeit des Ergebnisses.

Inzwischen gibt es Software, die Bildbearbeitung feststellen kann. Aber es gibt auch ganz einfache Methoden, um festzustellen, was mit dem Bild gemacht wurde. Ist beispielsweise die physikalische Korrektheit verletzt (Fluchtlinien, Schatten, Lichtstimmung, Körnigkeit usw.), so ist das Bild ein Produkt der Fantasie, aber kein Bild der Wirklichkeit mehr.

Wolken am Ammersee Kirche mit Palme Kirche mit Palme Beispielbild: Montage zwecks Korrektur des Himmels. Der Himmel für das Montagebild stammt aus Süddeutschland. Er hat sogar eine Bewegungsunschärfe. Das Himmelbild liegt als SW-Foto vor. Es wurde auf ISO 50 und f/4 mit einer Kleinbildkamera aus dem fahrenden Auto fotografiert. Dieses Foto wurde mit 4000 dpi gescannt, was ein starkes Filmkorn mit sich bringt. Beim Farbfoto haben wir ISO 400 und eine Mittelformatkamera. Das Bild wurde mit 2000 dpi gescannt. Das Farbfoto entstand an einem wolkenlosen Tag. Die Kirchenfront ist stark von der Sonne beleuchtet. Wenige, aber sehr harte Schatten sind zu sehen. Der Himmel ist dank des Polarisationsfilters recht dunkel geworden. Diese beiden Fotos mit ganz verschiedenen Lichtverhältnissen und technischen Parametern wurden zu einem zusammengefügt, um Wolken hinzuzufügen. Außerdem wurde ein blauer Himmel durch starke Aufhellung geschaffen. Die Wolken stehen für positives kalifornisches Lebensgeüfühl. Bei der Bildbearbeitung wurde die physikalische Korrektheit des Bildes stark verletzt. Das Einfügen der Wolken und weitere Korrekturen wurden gemacht, um ein "schönes" Bild zu erhalten. Es will Dir zu gefallen. Damit wird der Look geschaffen, wie viele Zeitschriften ihn verwenden, auch jornalistische wie View, Geo oder ZEIT. Alles prima ausgeleuchtet, alle Mitteltöne angehoben. Siehe auch pfeil zum linkSchönheit.
Level Level Level Neben der physikalischen Korrektheit, die den Wahrheitswert beschreibt, leidet das Bild auch unter der Montage. Links werden die Helligkeitsverteilungen gezeigt. Unter jedem der 3 Fotos ist die Helligkeitsverteilung des Bildes (ausgehend von den Originalscans bzw. der Montage aus den Scans) angeordnet. Auf der Achse sind von links nach rechts die Helligkeiten aufgetragen, beginnend mit Schwarz, endend mit Weiß. In die Höhe sind die Anteile im Bild aufgetragen ("level" in Adobe Photoshop). Sie zeigen, dass die Montage die Helligkeiten in der Mitte verstärkt und die dunklen abschwächt, helle Töne einfügt. Die Originalbilder haben stärkere Unterschiede in den Verteilungen der Helligkeiten. Damit entsteht in den Originalen mehr Spannung. Eine angestrebte Gleichverteilung hat nun mal wenig Spannung und auch wenig Informationsgehalt.  
  M. Ehret: Zugspitze M. Ehret: Zugspitze Beispielbild: Inhaltliche Bildbearbeitung Rechts der Scan vom Negativ, links das bearbeitete Bild. Die Besucherin und der Besucher dieser Website findet schnell die Unterschiede heraus. Das Bild wurde entsprechend den Vorstellungen des deutschen Schönheitsideals bearbeitet. Siehe auch pfeil zum linkSchönheit. Ohne diese Bearbeitungen gefällt das Bild nicht. Es wird also erwartet, die mittleren Töne oder inhaltlich wichtige, aber im Schatten liegende Objekte aufzuhellen sowie Farbkontraste herauszuarbeiten. Hier wurde auf den Himmel belichtet. Das führt dazu, dass die anderen Teile des Bildes unterbelichtet sind. Dieses wird als unprofessionell und unschön empfunden. Könntest Du Dir vorstellen, liebe Leserin, lieber Leser, auch nicht voll ausgeleuchtete Szenen als schön zu empfinden? Alle FotografInnen machen diese Bildkorrektur ja gerade für Dich, weil Du das erwartest.

Das Zugspitzen-Foto wurde gar nicht mit dem Anliegen gemacht, die Schönheit des Plateaus zu zeigen, sondern die Kommerzialisierung der Natur zu kritisieren. Eine Berg- und Talfahrt hat 45 Euro gekostet.
  M. Ehret: Flughafen M. Ehret: Flughafen Beispielbild: Helligkeitsangleichung Links das Original auf 800px Höhe gerechnet, fotografiert mit Nokia 6500s-1 am 2.9.09 um 12 Uhr in einer Wartehalle eines Flughafens. Rechts das bearbeitete Bild. Das Foto will drinnen und draußen zeigen. Draußen war es an diesem Tag sehr hell. Drinnen haben wir es mit einer Gegenlichtsituation zu tun, da das Hauptlicht von hinten kommt. Die Helligkeitsunterschiede umfassen mehr als 5 Blendenstufen und sind werder von unseren Augen noch von einem optischen Fotoapparat zu bewältigen! Der Versuch, diese Unterschiede anzugleichen, indem die hellen Anteile abgedunkelt und die dunklen aufgehellt werden, muß also scheitern. Weil es kein optisch-physikalisch korrektes Bild geben kann.

Nichtsdestotrotz ist das eine Standardtechnologie. Schafft sie ein überzeugendes Bild? Nein! Die Kontraste sind abgeschwächt, es wirkt flau. In der Konsequenz heißt das, dass ich analoge und digitale Technologien wie Abwedeln und HDR ablehne.

Gibt es einen Ausweg? Kann man Objekte drinnen und draußen gleichermaßen zufriedenstellend fotografieren? Wenn man sich zwei gleichwichtige Dinge vornimmt, ist das meines Erachtens eins zu viel. Für ein alternative Beispiel siehe auch pfeil zum linkArchiv
  M. Ehret: Stuttgart M. Ehret: Stuttgart Beispielbild: Stürzende Linien entfernen Links das Original auf 800px Höhe gerechnet: das Haus der Gewerkschaft in Stuttgart fotografiert mit Nokia 6500s-1 am 8.5.09 um 11:30 Uhr. Mit dem Tool "Frei Transformieren" wurden in Adobe Photoshop die äußeren Senkrechten senkrecht ausgerichtet, fehlende Inhalte abgeschnitten und die alte Bildgröße wieder hergestellt. Dabei wurden die Proportionen der Fenster weitestgehend beibehalten. Durch
  • das sehr hohe schwarze Gebäude im Vordergrund
  • das 6-geschossige Gewerkschaftshaus im Hintergrund
  • die starke Weitwinkligkeit des Objektivs
  • den ungünstigen Standpunkt mit dem Blick von unten
haben wir es hier mit sehr stark stürzenden Linien zu tun. Diese "verbiegen" das Gewerkschaftshaus. Es steht somit sehr ungünstig da. Verständlich der Wunsch, das zu ändern. In unserer Erinnerung stand das Haus ja auch gerade da.- Aber die Frage, was wir wirklich gesehen haben, was unser Nervensystem daraus gemacht hat und unser Gehirn das interpretiert hat, kann bis heute nicht zufriedenstellend wissenschaftlich geklärt werden und bleibt somit sehr streitbar, siehe auch [Schnelle-Schneyder, 2003].

Hat die Korrektur zu einem überzeugenden Resultat geführt? Nein! 1. Die Wolken links oben im Bild haben sich relativ stark vergrößert. Da das freie Formen sind, mag man darüber streiten. Wären es aber inhaltlich relevante Objekte, gibt das schon zu denken, dass nicht alles proportional "zurechtgerückt" werden kann. An einfachen Details kann man sehen, dass das Foto von unten erstellt wurde. Die Kamera wurde außerdem nicht in einer Ebene mit den abzubildenden Häusern gehalten. Die Häuser haben einen ungleichen Abstand zur Kamera. Durch eine Projektion dieser stark 3d-lastigen Szene auf 2 Dimensionen durch eine nichtlineare Abbildung (optische Linse Tessar 2.8/4.5) schaffen wir sogar eine nichtlineare Projektion. Diese mit linearen Hilfsmitteln zu korrigieren, ist mathematisch nicht möglich. 2. Das Ziel unserer Bildbearbeitung ist ein Bild aus unserer Erinnerung und unserem Wunschdenken, dass es so gar nicht geben kann.

Gibt es einen Ausweg? Kann man Objekte ohne stürzende Linien fotografieren? Meine Antwort ist: zuerst sollte man entscheiden, ob stürzende Linien dazugehören, um Höhe oder Tiefe auszudrücken oder ob sie besser vermieden werden. Wie oben besprochen, kann Bildbearbeitung das gar nicht leisten. Der Ansatz sollte also in der Vermeidung bei der Aufnahme liegen. Hier gibt vielfätige Technologien:
  • ein hochwertiges verzeichnungsarmes Objektiv
  • eine Kamera mit großem Aufzeichnungsmedium
  • erhöhter Standort
  • Blick von unten vermeiden
  • Verschieben der Film- und/oder Objektivebene bei Fotoapparaten auf der optischen Bank
 
  mit  Staub und Kratzern  Staub und Kratzer entfernt Beispielbild: Entfernung von Staub, Kratzern und Flecken im Großformatnegativ Links das Original auf 1000px Höhe gerechnet: rechts das korrigierte Bild. Staub, Kratzern und Flecken treten häufig im Zusammenhang mit Film auf. Einmal gibt es mechanische Vorgänge, wie das Einlegen des Negativs in die Kassetten oder das Herausnehmen, die Kratzer verursachen. Weiterhin wirkt die Filmemulsion anziehend auf Staub aller Arten. Da bei der Großformatfotografie das Negativ nicht so gut geschützt ist wie beim Kleinbild, lagert sich häufiger Staub an. Und drittens haben wir bei der Negativentwicklung mehrere chemische Vorgänge, die sehr sensibel auf den Film einwirken. Auch ein Fachlabor kann eventuelle Ränder nicht immer ausschließen, siehe im Beispielbild links und rechts oben in den Ecken. Sind all diese Störungen minimal oder z.B. auf detailreichen Bildern kaum wahrnehmbar, so kann man auf eine Korrektur verzichten. Hier nicht. Diese Korrektur erfolgt nicht nach subjektiven Gesichtspunkten, sondern entfernt systematisch typische technologische Probleme.

Wegen eines langen Kratzers am Bildrand wurde das Original gering beschnitten.

Außerdem wurde die Helligkeit angehoben im Rahmen der Serie, siehe pfeil zum linkBilder der Serie. Gerade dieses Bild zeigt die Südseite der Ruine und sollte heller als die beiden anderen Ost- und Westansichten sein. Die Aufnahmen wurden mittags gemacht. Beim Scan des Negativs erfolgt eine automatische Belichtungskorrektur, die natürlich nicht auf die Besonderheiten der Serie eingeht.
  mit  Staub und Kratzern  Staub und Kratzer entfernt Da kommt gleich die provozierende Frage: Alles, was am Film stört, sei wegzumachen? Hier im Bild sind die Fehler so problematisch, dass sie dem fotografierten Objekt den Point of Interest wegnehmen und selbst im Mittelpunkt stehen. Natürlich soll das Filmkorn bleiben. Natürlich auch kleinere Unregelmäßigkeiten! Wird das Korn und die analoge Technologie zum wichtigen Gestaltungsmittel, dann bleibt selbstverständlich alles drin. Empfehlenswert ist die Angabe, in welchem Umfange und in welcher Größe Flecken entfernt wurden.

Klicks Du auf diese Vorschaubilder, erhälst Du Ausschnitte aus dem Originalscan, die nicht in der Größe umgerechnet wurden. Links haben wir das Rad mit einer deutlichen Bewegungsunschärfe. Ein langer Kratzer und schwarze Staubflecken sind hier die Probleme. Rechts ist ein Ausschnitt aus der rechten oberen Ecke des Bildes mit Rückständen der Filmentwicklung zu sehen.

Natürlich hat die digiale Bildbearbeitung ihre Berechtigung. Sie ist nicht wegzudenken vielen Bereichen. Z.B. Der letzte Punkt hat seine Berechtigung. Weil: Das menschliche Auge gewöhnt sich an eine Lichtfarbe. Das Gehirn nimmt bei gelblichem Licht weiße Flächen als weiß wahr. Der Fotoapperat aber erzeugt gelbe Fotos von gelb beschienen weissen Flächen.

Mein Vorschlag ist, den Umgang mit Fotos transparent zu machen. Neben ethischen Gesichtspunkten liefern solche Angaben auch Informationen für technisch Interessierte und dienen der Reproduzierbarkeit.

Siehe auch pfeil zum linkwww.fotografie-kodex.de

Quellenangaben
[Schnelle-Schneyder, 2003] Marlene Schnelle-Schneyder: Sehen und Photographieren. Von der Ästhetik zum Bild. Springer, Berlin Heidelberg, New York, 2003.

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